Datenmanagement von Fassadeninspektionen: Vom Rohbild zum Prüfbericht
16.09.20266 Min. Lesezeit
Eine einzige Drohnenbefliegung eines größeren Gebäudekomplexes erzeugt schnell mehrere hundert bis mehrere tausend Einzelaufnahmen – RGB-Fotos und Thermogramme zusammengenommen. Für ein Facility Management, das diese Daten nicht nur einmalig, sondern über Jahre und über ein ganzes Portfolio hinweg nutzen will, ist der Umgang mit dieser Datenmenge selbst eine organisatorische Aufgabe. Der Weg vom Rohbild zum nutzbaren Prüfbericht lässt sich in mehrere Stufen gliedern.
Stufe 1: Erfassung und Rohdaten
Am Anfang steht das reine Bildmaterial: hochauflösende RGB-Fotos und, sofern eingesetzt, Wärmebildaufnahmen. Bereits bei der Erfassung ist entscheidend, dass jede Aufnahme mit Metadaten versehen wird – Zeitstempel, Position, gegebenenfalls Flughöhe und Kamerawinkel. Diese Metadaten sind die Grundlage für alles, was danach folgt: Ohne eine verlässliche Georeferenzierung lassen sich Aufnahmen später nicht zuverlässig einem bestimmten Fassadenbereich zuordnen, insbesondere bei komplexen Gebäuden mit vielen ähnlich aussehenden Fassadenabschnitten.
Stufe 2: Zuordnung zum Gebäude
Im zweiten Schritt werden die Rohaufnahmen dem konkreten Gebäude und der jeweiligen Fassadenseite zugeordnet. Bei einem Einzelgebäude ist das mit überschaubarem Aufwand möglich; bei einem großen Gebäudekomplex mit mehreren Baukörpern, Innenhöfen und unterschiedlichen Fassadenorientierungen wird diese Zuordnung schnell komplex. Eine strukturierte, konsistente Benennung und Ablage – etwa nach Gebäude, Fassadenseite und Geschoss – ist die Voraussetzung dafür, dass die Daten später überhaupt sinnvoll ausgewertet werden können, gerade wenn Jahre später eine erneute Befliegung mit dem Bestand verglichen werden soll.
Stufe 3: Auswertung und Kategorisierung
In der Auswertung werden die Aufnahmen auf Auffälligkeiten geprüft: Putzrisse, Hohlstellen-Verdachtsbereiche, Algen- oder Pilzbefall, Dübelabzeichnungen. Für eine konsistente Auswertung über viele Gebäude hinweg empfiehlt sich eine einheitliche Kategorisierung dieser Schadensbilder, damit spätere Auswertungen – etwa „wie viele Fassaden im Portfolio zeigen Algenbefall an der Nordseite“ – überhaupt möglich sind. Die Thermografie liefert dabei, wie bei jeder Anwendung dieses Verfahrens, eine qualitative Einordnung thermischer Anomalien nach DIN EN ISO 6781-1:2023, ergänzt um die VATH-Richtlinie Bauthermografie – keine quantitative U-Wert-Berechnung. Diese Einordnung sollte bei der Interpretation der Daten durchgehend berücksichtigt werden, damit aus einem auffälligen Wärmemuster nicht vorschnell eine belastbare energetische Kennzahl abgeleitet wird.
Stufe 4: Der Prüfbericht
Am Ende der Auswertung steht der eigentliche Prüfbericht: eine strukturierte Zusammenfassung der Auffälligkeiten mit Bildbeleg, Lageangabe und – je nach Anbieter – einer Einschätzung der Dringlichkeit. Für ein einzelnes Gebäude reicht dafür oft ein klassisches Dokument. Für ein größeres Portfolio ist es sinnvoll, die Berichte so aufzubereiten, dass sie sich auch tabellarisch oder in einer Datenbank auswerten lassen – etwa um Gebäude nach Handlungsbedarf zu sortieren oder Auffälligkeiten über mehrere Objekte hinweg zu vergleichen.
Datenhaltung über die Zeit
Ein oft unterschätzter Aspekt ist die langfristige Aufbewahrung der Rohdaten, nicht nur der fertigen Berichte. Wird zu einem späteren Zeitpunkt eine erneute Befliegung durchgeführt, sind die ursprünglichen Rohaufnahmen die Grundlage für einen direkten Vergleich – etwa um festzustellen, ob sich ein Riss vergrößert hat. Werden nur die verdichteten Berichte aufbewahrt, geht dieser Vergleichsmaßstab verloren. Facility-Manager, die ein mehrjähriges Monitoring planen, sollten daher von Anfang an eine Datenhaltung einrichten, die sowohl die Rohaufnahmen als auch die daraus abgeleiteten Berichte über den gesamten geplanten Zeitraum konsistent vorhält.
Datenvolumen als eigene Herausforderung
Schon eine einzelne Befliegung eines größeren Gebäudekomplexes erzeugt ein Datenvolumen, das mit einer einfachen Ordnerstruktur schnell unübersichtlich wird. Werden RGB-Aufnahmen und Thermogramme über mehrere Objekte und mehrere Befliegungszeitpunkte hinweg gesammelt, wächst dieses Volumen kontinuierlich weiter. Für Facility-Manager, die ein mehrjähriges Monitoring planen, ist es deshalb sinnvoll, sich frühzeitig Gedanken über Speicherkapazität, Datensicherung und Zugriffsrechte zu machen – insbesondere wenn mehrere Personen oder externe Dienstleister auf dieselben Daten zugreifen sollen. Konkrete Angaben zu benötigten Speichergrößen hängen stark von Auflösung, Aufnahmeumfang und Anzahl der Objekte ab und werden hier bewusst nicht pauschal beziffert.
Wer die Daten fachlich einordnet
Die reine Datenmenge ersetzt keine fachliche Auswertung. Insbesondere die Interpretation von Thermogrammen erfordert Fachwissen, da es sich, wie bereits erwähnt, um ein qualitatives Verfahren nach DIN EN ISO 6781-1:2023 handelt: Ein auffälliges Wärmemuster kann ebenso gut eine harmlose Dübelabzeichnung wie eine tieferliegende Anomalie sein. Die VATH-Richtlinie Bauthermografie richtet sich an dieser Stelle an Personen mit entsprechender fachlicher Qualifikation in der Bauthermografie. Für ein Facility Management bedeutet das: Die Rohdaten allein sind noch kein Prüfbericht – zwischen Aufnahme und Bericht steht immer eine fachkundige Auswertung, unabhängig davon, wie gut die Datenhaltung organisatorisch strukturiert ist.
Für ein Facility Management mit mehreren Objekten empfiehlt sich daher eine klare Aufgabenteilung: Die technische Erfassung und Datenhaltung kann intern oder durch einen spezialisierten Dienstleister organisiert werden, die fachliche Bewertung der Thermogramme und die Einordnung der Befunde sollte dagegen bei entsprechend qualifiziertem Personal liegen. Diese Trennung stellt sicher, dass wachsende Datenmengen nicht zulasten der fachlichen Sorgfalt bei der eigentlichen Auswertung gehen. Gerade bei einem wachsenden Portfolio lohnt es sich, diese Aufgabenteilung frühzeitig festzulegen, statt sie erst zu klären, wenn die Datenmenge bereits unübersichtlich geworden ist.
Praktische Einordnung
Welche konkreten Werkzeuge – von einfacher Ordnerstruktur bis zu spezialisierter Auswertungssoftware – für dieses Datenmanagement zum Einsatz kommen, hängt von der Größe des Bestands und den vorhandenen internen Prozessen ab. An dieser Stelle wird bewusst keine einzelne Softwarelösung empfohlen, da keine konkrete Lösung recherchiert und verifiziert wurde. Entscheidend ist unabhängig vom eingesetzten Werkzeug das Prinzip: konsistente Zuordnung, nachvollziehbare Kategorisierung und eine Datenhaltung, die auch Jahre später noch einen belastbaren Vergleich erlaubt.
Grundlage der Angaben
Normengrundlage der Thermografie (DIN EN ISO 6781-1:2023) sowie die VATH-Richtlinie Bauthermografie (April 2023) und der qualitative Charakter des Verfahrens sind recherchiert und belegt.
Die beschriebenen Schadensbilder (Putzrisse, Hohlstellen, Algenbefall, Dübelabzeichnungen) entsprechen dem recherchierten WDVS-Fachwissen.
Der beschriebene mehrstufige Ablauf von Rohdaten bis Prüfbericht beschreibt allgemeine Branchenpraxis, keine einzelne zertifizierte Methodik oder Norm.
Konkrete Software- oder Dateiformatempfehlungen werden bewusst nicht gegeben, da keine einzelne Lösung recherchiert und verifiziert wurde.
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Zur Transparenz, bevor der letzte Absatz beginnt
Diese Seite gehört zur Zurynski, Oezdogan & Co GmbH, die mit PSCoat auch ein eigenes Beschichtungsprodukt vertreibt – der folgende Text ist also keine neutrale Marktübersicht. Wer am Ende der hier beschriebenen Auswertungskette vor einer Sanierungsentscheidung steht: PSCoat gehört zu den Systemen, die ohne Putzträgerplatten oder Mineralwolle auskommen und stattdessen als beschichtungsartige Schicht auf Fassade, Dach oder Anlagentechnik appliziert werden. Informationen dazu bietet die Produktseite von PowerSmartCoat.