Monitoring über mehrere Jahre: Drohne im Facility Management
16.09.20266 Min. Lesezeit
Eine einzelne Drohnenbefliegung liefert eine Momentaufnahme: den Zustand einer Fassade an einem bestimmten Tag. Für ein professionelles Facility Management, das für den langfristigen Werterhalt eines Gebäudebestands verantwortlich ist, ist diese Momentaufnahme nur der Anfang. Der eigentliche strategische Nutzen entsteht, wenn Befliegungen in regelmäßigen Abständen wiederholt und die Ergebnisse miteinander verglichen werden – aus einer Einzelprüfung wird ein Monitoring.
Warum Entwicklung wichtiger ist als der Einzelbefund
Ein einzelner Riss oder eine einzelne Dübelabzeichnung sagt zunächst wenig darüber aus, wie dringend Handlungsbedarf besteht. Entscheidend ist, ob sich ein Schaden über die Zeit verändert: Wird ein linearer Riss entlang einer Plattenstoßfuge breiter? Vergrößert sich eine Hohlstellen-Verdachtsfläche? Breitet sich Algenbefall auf bislang nicht betroffene Fassadenbereiche aus? Diese Fragen lassen sich nur beantworten, wenn vergleichbare Aufnahmen aus unterschiedlichen Zeitpunkten vorliegen – idealerweise mit gleichem Kamerawinkel, ähnlicher Auflösung und eindeutiger Zuordnung zur jeweiligen Fassadenposition.
Vom reaktiven zum vorausschauenden Instandhaltungsmodell
Klassische Instandhaltung reagiert häufig erst, wenn ein Schaden bereits auffällig oder gemeldet wird – etwa weil ein Mieter einen Riss bemerkt oder ein größeres Putzstück abgefallen ist. Ein Monitoring-Ansatz verschiebt diesen Zeitpunkt nach vorne: Wiederkehrende Befliegungen zeigen Entwicklungen, bevor sie zu einem akuten Problem werden. Für das Facility Management bedeutet das die Möglichkeit, Sanierungsmaßnahmen planbar in den Budgetzyklus einzuordnen, statt kurzfristig und teuer auf Notfälle reagieren zu müssen. Gerade bei sicherheitsrelevanten Schadensbildern wie größeren Hohlstellen, bei denen sich Putz- oder Dämmplattenteile lösen können, ist ein frühzeitiges Erkennen der Entwicklung auch unter dem Gesichtspunkt der Verkehrssicherungspflicht von Bedeutung.
Warum ein Monitoring wirtschaftlich sinnvoll sein kann
Für einen Gebäudebestand mit vielen Objekten macht sich der wirtschaftliche Effekt eines Monitorings potenziell deutlicher bemerkbar als bei einem Einzelgebäude. Wird ein sich entwickelnder Schaden frühzeitig erkannt, lässt er sich in der Regel mit geringerem Aufwand beheben als ein Schaden, der über Jahre unbemerkt fortschreitet und am Ende eine größere Sanierung mehrerer Objekte gleichzeitig erforderlich macht. Zudem lässt sich ein wiederkehrendes Monitoring in die reguläre Budgetplanung integrieren, statt ungeplante Sanierungsausgaben aufzufangen, die außerhalb des laufenden Wirtschaftsjahres anfallen. Eine pauschale Kostenersparnis lässt sich dafür nicht seriös beziffern – der Effekt hängt vom jeweiligen Bestand, seinem Alter und Zustand ab.
Wie ein Monitoring-Zyklus praktisch aussieht
In der Praxis bedeutet ein Monitoring-Ansatz, dass die erste Befliegung als Referenzaufnahme dient – vergleichbar mit einer Bestandsdokumentation. Nachfolgende Befliegungen orientieren sich an denselben Flugmustern und Aufnahmepositionen, um eine möglichst direkte Vergleichbarkeit herzustellen. Die Aufnahmen werden anschließend nicht nur einzeln ausgewertet, sondern systematisch mit den Vorjahresaufnahmen abgeglichen, um Veränderungen zu identifizieren. Wie häufig ein solcher Zyklus sinnvoll ist, hängt vom Gebäudezustand, Alter des WDVS und individueller Risikoeinschätzung ab; feste gesetzliche Intervalle gibt es dafür nicht – Angaben zu Turnussen sind daher als Praxisempfehlung und nicht als Vorschrift zu verstehen.
Einbindung in bestehende FM-Prozesse
Für größere Bestände lässt sich ein Drohnen-Monitoring grundsätzlich in bestehende Prozesse der Instandhaltungsplanung einbinden, etwa indem die dokumentierten Auffälligkeiten mit Angaben zu Gebäudealter, letzter Sanierung oder geplanten Maßnahmen verknüpft werden. Ob dafür ein spezialisiertes CAFM-System, eine einfache Tabellenstruktur oder eine andere Lösung zum Einsatz kommt, hängt von der jeweiligen Organisation ab – an dieser Stelle wird bewusst keine konkrete Software empfohlen, da eine einzelne Lösung nicht recherchiert und verifiziert wurde. Entscheidend ist, dass die Daten über die Jahre konsistent strukturiert bleiben, damit ein Vergleich überhaupt möglich ist.
Grenzen der Vergleichbarkeit zwischen Befliegungen
Damit ein Vergleich zwischen zwei Befliegungen tatsächlich belastbar ist, müssen mehrere Faktoren möglichst konstant gehalten werden. Dazu zählen die verwendete Kameratechnik und -auflösung, die Flugmuster und Aufnahmepositionen sowie, bei der Thermografie, vergleichbare Witterungsbedingungen – da direkte Sonneneinstrahlung, Niederschlag oder stark unterschiedliche Außentemperaturen die Aussagekraft der Wärmebilder verändern können. Wird die eingesetzte Technik zwischen zwei Befliegungen gewechselt oder finden sie unter sehr unterschiedlichen Witterungsbedingungen statt, sinkt die Vergleichbarkeit entsprechend. Für ein seriöses Monitoring sollte diese Einschränkung bei der Interpretation der Ergebnisse mitgedacht werden, statt Abweichungen vorschnell als reale Verschlechterung des Bauzustands zu werten.
Grenzen des Verfahrens
Auch im Monitoring-Kontext bleibt die Drohnenbefliegung ein qualitatives Diagnoseinstrument. Die Thermografie liefert nach DIN EN ISO 6781-1:2023 keine quantitative U-Wert-Entwicklung, sondern zeigt relative Auffälligkeiten. Und Schadensbilder wie Hohlstellen lassen sich weiterhin nur indirekt erfassen – auch über mehrere Jahre hinweg ersetzt das Monitoring keine punktuelle Vor-Ort-Prüfung bei konkretem Verdacht. Der Wert liegt in der frühzeitigen Erkennung von Entwicklungstendenzen, nicht in einer abschließenden bautechnischen Bewertung.
Vom Einzelgebäude zum Portfolio-Monitoring
Wird der Monitoring-Ansatz nicht nur für ein einzelnes Gebäude, sondern für einen ganzen Bestand angewendet, kommt eine weitere Dimension hinzu: der Vergleich zwischen Objekten. Zeigen mehrere Gebäude ähnlichen Baujahrs oder ähnlicher Bauweise über die Jahre vergleichbare Entwicklungen bei bestimmten Schadensbildern, lässt sich daraus eine generelle Einschätzung für den gesamten Bestand ableiten – etwa dass eine bestimmte Baureihe systematisch anfälliger für bestimmte Rissmuster ist. Solche portfolioweiten Muster werden erst durch ein mehrjähriges, konsistent dokumentiertes Monitoring über mehrere Objekte hinweg sichtbar und liefern dem Facility Management wertvolle Hinweise für die strategische Instandhaltungsplanung, über die Betrachtung des Einzelgebäudes hinaus. Ein solcher Portfolio-Blick verlangt allerdings, dass die einzelnen Objektdaten von Anfang an konsistent und miteinander vergleichbar erfasst werden – eine Anforderung, die bereits bei der Planung des Monitorings mitgedacht werden sollte, nicht erst nach den ersten Befliegungen. Wer diese Konsistenz von Beginn an sicherstellt, kann aus einer über Jahre gewachsenen Datenbasis am Ende deutlich mehr strategischen Nutzen ziehen als aus einer Sammlung isolierter Einzelberichte.
Grundlage der Angaben
Normengrundlage der Thermografie (DIN EN ISO 6781-1:2023) und ihr qualitativer Charakter sind recherchiert und belegt.
Die Verkehrssicherungspflicht nach § 823 BGB und die Sicherheitsrelevanz größerer Hohlstellen sind recherchiert und belegt.
Konkrete Empfehlungen zu Monitoring-Intervallen sind nicht durch eine Norm oder Rechtsvorschrift gedeckt und ausdrücklich als Praxisempfehlung gekennzeichnet.
Aussagen zur Einbindung in CAFM-Systeme beschreiben eine allgemeine organisatorische Möglichkeit, keine konkret recherchierte oder empfohlene Softwarelösung.
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Eine Anmerkung zur Neutralität dieses Abschnitts
Weil ein Monitoring irgendwann auch die Frage nach der passenden Sanierungsmaßnahme aufwirft, ein Hinweis vorab: PowerSmartCoat gehört zur selben Unternehmensgruppe wie diese Seite, der folgende Absatz ist also Werbung und keine neutrale Produktempfehlung. Wird bei einer wiederkehrenden Befliegung eine fortschreitende Schwachstelle sichtbar, kommt neben klassischer WDVS-Sanierung auch eine dünn aufgetragene Beschichtung für Fassaden, Dächer und technische Anlagen als mögliche Ausführungsvariante infrage. Ausführliche Herstellerunterlagen dazu finden sich auf der Produktseite von PowerSmartCoat.
Beitragsbild: Foto: bjoern.gramm, Lizenz CC BY 2.0